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Newsletter - October 2018

Dies ist der vierte Newsletter des Mobiliar Labs für Naturrisiken der Universität Bern. Er erscheint ca. zweimal pro Jahr und gibt Ihnen einen Überblick über unsere neusten praxisrelevanten Forschungsergebnisse sowie Hinweise zu Veranstaltungen des Labs. Die deutsche Version des Newsletters als PDF lesen Sie hier.

Vous pouvez lire la version française de la newsletter en cliquant ici.

Am Mittwoch, 14. November 2018 findet ab 16:30 Uhr die traditionelle Herbstveranstaltung des Mobiliar Labs für Naturrisiken statt. Sie beleuchtet das Überschwemmungsgedächtnis aus verschiedenen Perspektiven und spannt den Bogen von wissenschaftlichen Aspekten, über die praktische Sichtweise innerhalb eines Kantons, bis hin zur Perspektive einer Feuerwehr.

Hier finden Sie den Flyer zur Veranstaltung.

Abb. 1: Überschwemmte Reussebene vor Altdorf, August 1987.

Mit seiner soeben gestarteten «Forschungsinitiative Hochwasserrisiko» will das Mobiliar Lab für Naturrisiken unter anderem bessere Entscheidungshilfen für das Hochwasserrisikomanagement schaffen.

Mit der «Forschungsinitiative Hochwasserrisiko ‒ vom Verstehen zum Handeln» ergänzt das Mobiliar Lab für Naturrisiken die traditionelle Hochwasserforschung um den Schadenaspekt. Zur Lancierung des diverse Forschungsprojekte umfassenden Vorhabens hat das Mobiliar Lab einen Kurzfilm produziert.

Ziel der von 2018 – 2020 dauernden Forschungsanstrengung sind unter anderem bessere Entscheidungshilfen für das Hochwasserrisikomanagement. Die verschiedenen Tools, die sich bis zum Ende der Projektdauer weiterentwickeln und laufend ergänzt werden, sollen die Behörden in Gemeinden und Kantonen – aber auch die Bevölkerung – dabei unterstützen, Hochwasserrisiken zu erkennen. Zudem werden die Tools ermöglichen, Schutzmassnahmen nachvollziehbar und risikobasiert zu priorisieren. Und nicht zuletzt fördert die «Forschungsinitiative Hochwasserrisiko» (hochwasserrisiko.ch) die allgemeine Sensibilisierung für Hochwasserrisiken.

Abb. 2: Auszug aus der Webseite hochwasserrisiko.ch. Sie bündelt die verschiedenen Webseiten der «Forschungsinitiative Hochwasserrisiko».

Seit kurzem ist die neue Webseite schadenpotenzial.ch online. Sie ermöglicht es, die Werte hochwassergefährdeter Schutzgüter miteinander zu vergleichen und so zukünftige Schadenschwerpunkte ausfindig zu machen.

In der Schweiz verursachen Hochwasser regelmässig Schäden in Millionenhöhe. Bund, Kantone und Gemeinden geben jährlich Hunderte Millionen Franken aus, um Bevölkerung und Sachwerte vor Überschwemmungen zu schützen. Die Hochwassergefahrenkarten zeigen mit hoher räumlicher Auflösung, wo, wie häufig und wie intensiv Hochwasserereignisse auftreten können. Werden die Gefahrenkarten in Kombination mit sozioökonomischen Daten wie Bevölkerungszahlen oder Gebäudewerten räumlich analysiert, so lassen sich die Schadenschwerpunkte künftiger Ereignisse abschätzen. Und diese Information wiederum hilft mit, den Bedarf an Schutzmassnahmen zu eruieren und diese zu priorisieren.

Basierend auf den Gefahrenkarten können auf der Webseite «Schadenpotenzial Hochwasser» (schadenpotenzial.ch) schweizweit die potenziell von Hochwassern betroffenen Schutzgüter dargestellt werden. Und dies in verschiedenen räumlichen Einheiten (Ort / Quartier, Gemeinde und Kanton sowie für ein Hexagonraster). Folgende Schutzgüter stehen zur Auswahl:

  • Gebäude (gesamt, differenziert nach Nutzung)
  • Gebäudewerte
  • Personen (wohnhafte Personen, Arbeitsplätze)
  • Spitäler, Kulturgüter, Schulen und Hochschulen, Alters- und Pflegeheime

Mit verschiedenen Analysewerkzeugen lassen sich die absoluten und relativen Werte der hochwassergefährdeten Schutzgüter einfach miteinander vergleichen.

Soeben ist die «Entscheidungshilfe Oberflächenabfluss» erschienen. Das Handbuch bietet eine Übersicht verschiedener Werkzeuge zum Thema Oberflächenabfluss, charakterisiert sie und illustriert ihre Anwendung anhand einer typischen Fragestellung.

Im vergangenen Jahr wurde am Mobiliar Lab für Naturrisiken die Publikation «Werkzeuge zum Thema Oberflächenabfluss als Naturgefahr – eine Entscheidungshilfe» erarbeitet. Ihr Hauptziel besteht darin, Fachpersonen bei der Auswahl der geeigneten Werkzeuge für die Beurteilung eines konkreten Falls zu unterstützen.

Nach der Erläuterung des aktuellen Wissensstands zur Thematik folgt im Handbuch das zentrale Entscheidungsschema (s. Abb. 5), das die acht Werkzeuge hinsichtlich Einsatzzweck, Branche und Aufwand charakterisiert. Im Anschluss daran werden die Werkzeuge mithilfe eines Faktenblatts einzeln vorgestellt. Ihre Anwendung wird schliesslich anhand einer typischen Fragestellung in einem exemplarischen, gemeinsamen Untersuchungsgebiet illustriert.

Die Autoren stellen in der Publikation jeweils Werkzeuge vor, die sie grösstenteils selbst entwickelt haben. Erarbeitet wurden die Beiträge vom Mobiliar Lab für Naturrisiken, von Agroscope, vom Büro geo7 und von der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen, VKF. Folgende Werkzeuge sind Teil des Handbuchs: Gefährdungskarte Oberflächenabfluss, Erosionsrisiko- und Gewässeranschlusskarte, punktuelle Gefahrenabklärung, Modellierung von Phosphorverlusten, feinskalige Modellierung von Oberflächenabfluss, Toolbox zur Schadendaten-Klassierung, Beobachtungsdaten von Oberflächenabfluss-Ereignissen und Gebäudeschutzmassnahmen gegen Oberflächenabfluss.

Ein zusätzliches, für eine Fachpublikation eher überraschendes Element, stellt ein Beitrag der Schweizer Künstlerin Ester Vonplon dar. Ihre Fotoserie ist in der Buchmitte als sogenanntes Insert platziert. Dieser künstlerische Beitrag soll den Leserinnen und Lesern einen Zugang zur Thematik eröffnen, der über die wissenschaftliche Auseinandersetzung hinausgeht. Er regt uns alle zum Nachdenken an, indem die Frage aufgeworfen wird, wie wir künftig mit der Natur umgehen werden.

Die Entscheidungshilfe Oberflächenabfluss liegt sowohl in Buchform als auch als PDF-Datei vor. Sie wurde in der Reihe «Hydrologie der Schweiz» publiziert. Herausgeber sind die Schweizerische Gesellschaft für Hydrologie und Limnologie (SGHL), die Schweizerische Hydrologische Kommission (CHy) der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT) sowie das Mobiliar Lab für Naturrisiken. Das Buch und die entsprechende PDF-Datei können in Kürze bei der CHy bezogen werden. Die PDF-Datei kann ab sofort hier heruntergeladen werden.

Das Fallbeispiel des Hagelereignisses vom 6. August 2018 im Entlebuch zeigt, was Hagelsensoren leisten können. Es belegt zudem, wie wichtig eine Kombination verschiedener Datenquellen ist, um den Hagel besser zu verstehen, Warnungen zu verbessern und Schäden zu reduzieren.

Am 6. August 2018 herrschte sonniges Hochdruckwetter mit Temperaturen bis 35 Grad. In der zweiten Tageshälfte entluden sich zuerst über den Bergen, anschliessend auch im Flachland lokal Gewitter. Eine der Gewitterzellen zog über Teile des Entlebuchs, wo erstmals Hagel von den neu installierten Hagelsensoren des Schweizer Hagelmessnetzes (vgl. Newsletter Mai 2018) registriert wurde. Was lässt sich aus den bei dieser Premiere gewonnen Daten lernen?

Die Abb. 6 stellt die Situation am 6. August im Entlebuch dar. Die farbigen Flächen zeigen die Hagelwahrscheinlichkeit (POH – Probability of Hail) auf, welche für diesen Zeitpunkt aus den Wetterradardaten berechnet wurden. Die Darstellung zeigt, dass Hagel grundsätzlich in den Regionen registriert wurde (hell- und dunkelblaue Punkte, grüne Dreiecke), in denen die Hagelwahrscheinlichkeit hoch ist. Einzelne Einschläge – wie sie z. B. in Marbach, oder in Schüpfheim (ausserhalb des gefährdeten Gebiets), gemessen wurden – müssen mit Vorsicht genossen werden. Hier kann es sich um verfrachtete Hagelkörner, grosse Regentropfen oder um ein anderes Objekt handeln, die auf den Sensor trafen.

Was ebenfalls auffällt, ist, dass bereits auf kleinem Raum (bei Marbach) sehr grosse Unterschiede registriert wurden (kein Hagel – kleiner Hagel – mittlerer Hagel). Diese Messungen stützen den Fakt, dass Hagel sehr kleinräumig auftritt und deshalb eine genaue Warnung/Prognose schwierig ist.

Eine erste solche Messung ist sehr wertvoll, sie kann bestehende Thesen stützen, aber auch neue Fragen aufwerfen. Klar wird, dass viele Messungen nötig sind, um die Daten angemessen interpretieren und Aussagen treffen zu können. Dank der Installation weiterer 55 Sensoren in den Hagelregionen der Schweiz soll dies möglich werden.

Das Beispiel zeigt weiter, dass die einzigartige Kombination aus modernen Wetterradardaten, Beobachtungen aus der Bevölkerung, Daten der Hagelsensoren (und allenfalls Schadendaten) wichtig für die Analyse von Hagelevents ist, und schliesslich dazu beitragen kann, bessere Hagel-Warnungen/Kurzfristprognosen zu erstellen und Schäden zu reduzieren.

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