Infoveranstaltungen

Bevorstehende Infoveranstaltungen

Am Donnerstag, 23. November 2017 findet am späteren Nachmittag eine vom Mobiliar Lab für Naturrisiken organisierte Veranstaltung zum Thema Oberflächenabfluss statt. Weitere Informationen folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Vergangene Infoveranstaltungen

Wo Hochwasser am meisten Schäden anrichten

2 November 2016

In der Schweiz verursachen Hochwasserereignisse immer wieder Schäden in Millionenhöhe. Bund und Kantone wiederum geben jährlich Hunderte von Millionen Franken aus, um Bevölkerung und Sachwerte vor über die Ufer tretenden Seen und Flüsse zu schützen. Dank der Gefahrenkarten der Kantone ist bekannt, wo Überschwemmungen auftreten können. Doch wie viele Gebäude stehen in den Hochwassergefahrengebieten, welchen Wert haben sie, und wie viele Personen leben darin? Schweizweite Antworten zu diesen Fragen fehlten bisher. Das Mobiliar Lab für Naturrisiken des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern hat diese Wissenslücke nun gefüllt und stellt seine Forschungsergebnisse mit einem Webtool Fachleuten und Öffentlichkeit zur Verfügung. Auf www.hochwasserrisiko.ch finden sich interaktive Karten mit der exponierten Bevölkerung und Gebäuden pro Gemeinde, Bezirk und Kanton sowie weitere Informationen zum Projekt.

Grundlagen für effektiven Hochwasserschutz

Die neuen Erkenntnisse tragen dazu bei, die beschränkten Mittel für die Prävention von Naturgefahren zielgerichtet einzusetzen. «Mit den bisherigen Gefahrenkarten wussten wir zwar, wo und wie oft die Gewässer über die Ufer treten. Nun wissen wir endlich auch, wo wie viele Gebäude und Personen davon betroffen sind», sagt Veronika Röthlisberger, Expertin für Hochwasserrisiken am Berner Mobiliar Lab. Dass die Verantwortlichen bei Bund und Kantonen auf solche Grundlagen angewiesen sind, zeigte auch eine Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung «Wo Hochwasser am meisten Schäden anrichten», die das Mobiliar Lab des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung am 02. November durchführte.

Am stärksten gefährdet sind Alpen und Städte

Die Forscherinnen und Forscher haben basierend auf den kantonalen Gefahrenkarten berechnet, wie viele Gebäude und Personen sich in hochwassergefährdeten Gebieten befinden: Bezogen auf die ganze Schweiz sind es 270’000 Gebäude mit einem Neuwert von insgesamt 480 Milliarden Franken – und bewohnt werden sie von gut 1.1 Millionen Personen.

Dabei fällt auf, dass das Wallis, Nidwalden, das St. Galler Rheintal und die Region Burgdorf besonders exponiert sind. Hier gibt es viele Gemeinden, in denen mehr als 80 Prozent der Gebäude gefährdet sind. Betrachtet man den Anteil der Bevölkerung einer Region, die in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet wohnt, stechen zusätzlich die Region Interlaken/Meiringen, das Glarnerland und das Sarganserland als besonders gefährdet ins Auge.

Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn die Exponierung in absoluten Werten verglichen wird: Klar an der Spitze steht dabei die Stadt Zürich. Hier befinden sich fast 4 000 Gebäude, in denen knapp 80 000 Personen zuhause sind, in gefährdeten Gebieten. Aber auch in den Städten St. Gallen, Sion, Winterthur, Luzern und Biel leben tausende Menschen in Überschwemmungsgebieten. Der Wert der exponierten Gebäude beträgt in jeder dieser Städte mehrere Milliarden Franken.

«Während in vielen Gemeinden im Alpenbogen ein grosser Anteil der Bevölkerung und Gebäude überschwemmungsgefährdet ist, werden die grössten Hochwasserschäden dort verursacht, wo hohe Werte konzentriert sind – nämlich in den Städten», sagt Röthlisberger.

Wieso der Blick über die Gefahrenkarte hinausgehen muss

Der Hochwasserschutz ist heute stark auf die Fragen ausgerichtet, wo, wie häufig und wie viel Wasser fliesst. Diese zentralen Informationen finden sich in den Gefahrenkarten. Die Gefahrenkarten sagen aber nichts über mögliche Schäden aus. Für einen nachhaltigen Hochwasserschutz braucht es zusätzlich Kenntnisse zu den möglichen Schäden: Was kann wo kaputt gehen und wie viele Personen sind betroffen? Bis anhin gab es keine schweizweiten Übersichten zum Schadenpotenzial bei Hochwassern. Solche Übersichten sind aber notwendig, um den Einsatz der beschränkten Präventionsgelder zu optimieren.

Erfolgreicher Hochwasserschutz

12 November 2015

Präsentationen Infoveranstaltung

Präsentation_Sarnen_Grosse Melchaa (PDF, 3.7 MB)

Präsentation_Delémont_DMB (PDF, 6.0 MB)

Präsentation_Studie_Mobiliar Lab (PDF, 5.6 MB)

What makes flood protection measures successful? To answer this question 71 projects from all over Switzerland were analyzed in a study within the Mobiliar Lab for Natural Risks at the University of Bern. The results of this investigation were presented at an information event which took place on Thursday 12 November 2015 at the Institute of Geography of the University of Bern. Within the scope of the event there were contributions from representatives of two municipalities who presented their prospective and trend-setting flood protection projects. In a second part, the representatives of science, cantons, municipalities and insurance companies addressed the utility of prevention measures for society and how damage may be prevented even more efficiently in the future.

Stephan Flury – infrastructure/urban and regional planning, municipality of Sarnen

In the first presentation, Stephan Flury highlighted the success factors for effective flood protection measures by means of the ‘Grosse Melchaa’ in Sarnen. According to Flury the success of flood protection measures strongly depends on a good project manager, a domain expert, an adequate project organization, good undertakings and fair stakeholders.

David Siffert – ‘ingénier communal’, city of Delémont

David Siffert presented success factors for effective flood protection measures on the basis of the project ‘Delémont marée basse’. This project depicts integral urbanistic planning, which not only takes into account flood protection, but also revitalization, urban development as well as a social component.

Luzius Thomi – natural risks expert at Swiss Mobiliar Insurance & Pensions

Luzius Thomi further presented the starting position and aims of the study “What makes flood protection measures successful?”. The focus of the presentation laid on the course of action and the utility of flood protection projects as well as risk development. Thomi further illustrated the methods and the implementation of the study

Hannes Suter – Mobiliar Lab for Natural Risks

In the last presentation, Hannes Suter highlighted a selection of success factors for effective flood protection measures identified within the above-mentioned study. The analyses showed that an early involvement of all different affected players is beneficial. The acceptance of flood protection projects is moreover improved if the development of recreation area Is considered within the projects.

After the presentations, Kaspar Meuli conducted a podium discussion with Rolf Weingartner (Co-Director, Mobiliar Lab for Natural Risks), Tom Wüthrich (Head divison of hydraulics engineering, Canton of Bern), Stephan Flury (Representative of the municipality of Sarnen) and Roland Verdon (Head business economics & law, Swiss Mobiliar Insurance & Pensions) addressing the utility of prevention measures for society and how damage may be prevented even more efficiently in the future.

Weitere Informationen zur Infoveranstaltung Erfolgreicher Hochwasserschutz November 2015

Wie aussergewöhnlich waren die Hochwasser vom Juli 2014?

13 November 2014

Wie aussergewöhnlich waren die Hochwasser vom Juli 2014? Dieser Frage sind gestern Abend Fachleute der Universität Bern und der Mobiliar im Rahmen des Mobiliar Labs für Naturrisiken in Bern nachgegangen. Fazit: Von der Intensität und der Schadenssumme her war es ein durchschnittliches Hochwasser. Was aber zu denken gibt: Seit 1990 ist in der Schweiz eine Häufung an Hochwassern zu beobachten, mit einer weiteren Zunahme ist tendenziell zu rechnen.

Im Grossen Hörsaal des Geografischen Instituts der Universität Bern blieb kein Sitz- und kein Stehplatz frei: Rund 140 Zuhörerinnen und Zuhörer wollten sich gestern Abend darüber informieren lassen, wie schlimm die Hochwasser vom Juli 2014 waren, wie sie in der Langzeitbetrachtung einzuordnen sind und welche Sicht die Mobiliar als grösster Sachversicherer der Schweiz auf die Hochwasserereignisse hat.

Schäden sollen gar nicht erst entstehen

Nach der Begrüssung durch Prof. Martin Grosjean, Leiter des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung an der Universität Bern, betonte Geschäftsleitungsmitglied Bruno Kuhn von der Mobiliar die Wichtigkeit der Prävention. «Am besten ist es, wenn Schäden gar nicht entstehen», sagte der Leiter Versicherungen. Deshalb habe die Mobiliar seit dem ausserordentlichen Hochwasser im Jahr 2005 über 70 Präventionsprojekte in der gan-zen Schweiz unterstützt. «Im Juli 2014 haben wir zum Beispiel in Burgdorf und in Willi-sau gesehen, dass mit Präventionsmassnahmen Schäden verhindert werden können.»

Starke Schwankungen zwischen sehr trocken und sehr nass seit 1990

Prof. Rolf Weingartner, Hydrologe und Co-Leiter des Mobiliar Labs für Naturrisiken, stellte klar, dass die Juli-Hochwasser mit Blick auf die letzten 30 Jahre von der Intensität her keine aussergewöhnlichen waren. Bemerkenswert war aber die Dauer: Zwischen dem 6. Juli und dem 15. August hat der Bund für das Berner Oberland an 29 Tagen eine Warnung herausgegeben. Weingartner zeigte anhand des Beispiels Kander, dass es in den letzten 30 Jahren drei Hochwasser gab, welche eine Jährlichkeit von 100 und mehr Jahren haben. Zwar habe es in den vergangenen 2000 Jahren immer wieder Perioden gegeben, in denen Hochwasser häufiger gewesen seien. Doch nun gebe es noch den Faktor Klimawandel: «Tendenziell müssen wir annehmen, dass in Zukunft die Hochwasser in der Schweiz eher zunehmen und damit Hochwasser wie im Juli 2014 häufiger werden.»

Ergänzungsbedarf bei den Gefahrenkarten?

Matthias Künzler, Leiter Naturgefahren bei der Mobiliar und Co-Leiter des Mobiliar Labs, sprach anschliessend über die Schadenssumme und die Verteilung der Schäden, welche durch die Juli-Hochwasser verursacht wurden. «Rein aus Sicht der Hochwasserschäden war 2014 ein normales Jahr», sagte er. Der Schaden-Hotspot im Juli sei nicht etwa Bumbach im Emmental gewesen, sondern Altstätten im Kanton St. Gallen. Erstaunlich: Schweizweit ereigneten sich 50 Prozent der Schäden an Orten, die gemäss der Gefahrenkarte in der Zone ohne Gefährdung liegen, also in der weissen Zone. Matthias Künzler stellte deshalb die Frage: «Haben wir mit der Gefahrenkarte den vollen Durchblick oder besteht ein Ergänzungsbedarf?»

Entlastungsstollen Thun: Nutzen unter Beweis gestellt

Das letzte Referat der Veranstaltung hielt Bernhard Schudel, Leiter Gewässerregulierung im Kanton Bern. Sein Fokus lag auf dem Thunersee. Vor dem Bau des Entlastungsstollens Thun im Jahr 2009 haben man das Prinzip der nachgelagerten Regulierung angewandt: Regulierung erst dann, wenn die Seen zu steigen begannen. Dank dem neuen Stollen könne man nun vorausschauend regulieren, also aufgrund von Wet-terprognosen den Thunersee präventiv leicht absenken. Bei Extremhochwassern könne man auf diese Weise den Seepegel um bis zu 40 cm senken, bei mittleren Hochwassern um bis zu 20 cm – so geschehen bei den Hochwassern im Juli 2014.